Aus! Energiedorf Neunkirchen/Nahe

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Blick von oben auf Neunkirchen/Nahe (im Vordergrund) in der Gemeinde Nohfelden. Der Ort sollte zum Bio-Energiedorf werden. Daraus wird nun aber nichts. In der Bildmitte ist der Bostalsee zu sehen.
Foto: B&K/B&K Fotograf Bonenberger

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 23.07.2020

Neunkirchen/Nahe Zu wenige Bürger hätten mitgemacht. Daher ändert die Gemeinde Nohfelden wieder den Bebauungsplan.

Melanie Mai

von Melanie Mai

Redakteurin

Gemeinderat Nohfelden
:
Aus fürs Bio-Energiedorf Neunkirchen/Nahe

Die Gemeinde Nohfelden hatte für Neunkirchen/Nahe eine Vision. Einen Traum vom klimafreundlichen Heizen. Doch dieser zerplatzte. Das geplante Bio-Energiedorf ist nun Geschichte. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung in Walhausen einstimmig beschlossen, den im November 2018 eigens dafür geänderten Bebauungsplan wieder aufzuheben. „Damit ist das Kapitel Bio-Energiedorf auch formal beendet“, sagte Bürgermeister Andreas Veit (CDU) in der Köhlerhalle.

Etwas Wehmut schwang mit, als er über das Aus des ehrgeizigen Projektes berichtete. „Wir haben in der Gemeinde Nohfelden viel gemacht im Bereich Erneuerbare Energien; das wäre eine gute Ergänzung gewesen“, sagte Veit im Gespräch mit der SZ. „Aber wenn man nichts ausprobiert, kann auch nichts dabei herauskommen“, verteidigte er die enorme Arbeit, die die Verwaltung, aber in erster Linie ein dafür gegründeter Arbeitskreis in Neunkirchen/Nahe geleistet habe. „Die Verwaltung kann nicht nur aus Verwalten bestehen“, betonte auch Peter Rosenau, der Fachmann für Erneuerbare Energien bei der Gemeinde Nohfelden.

Bürgermeister Veit

Bürgermeister Veit

Der Grund für das Aus ist einfach: Es hätten zu wenige Interessenten mitgemacht. Die anderen Hürden, an die Veit 2018 das Projekt geknüpft hatte, waren genommen. Mit der Firma EDG war ein Betreiber gefunden. Das Wirtschaftsministerium hatte Zuschüsse zugesagt und damit die Lücke in der Wirtschaftlichkeitsprüfung geschlossen. Und ein Hauptabnehmer war mit an Bord, die CTS, die das Seniorenheim im Ort betreibt. Nun galt es, die Privatkunden zu begeistern. In einer ersten, unverbindlichen Abfrage hatten sich noch genügend Interessenten bereit erklärt, ihre Heizung auszutauschen und an die neue Heizzentrale, die nördlich der Freizeitanlage gebaut werden sollte, anzuschließen. Als die Arbeitsgruppe im vergangenen Jahr dann von Haus zu Haus ging und den Entwurf des Wärmeliefervertrags dabei hatten, gab es mehr Ab- als Zusagen. „Im Herbst zeichnete sich ab, dass die Anzahl derer, die bereit waren, ihren Wärmeliefervertrag mit der EDG abzuschließen, zu gering war“, so Veit. Die Leute seien unsicher, ergänzte Rosenau. Zum einen, was die Kosten betrifft. Auch wenn der Experte beteuerte: „Die Kosten wären durch die neue Anlage nicht höher als bisher.“ Außerdem fürchteten einige Bewohner die Abhängigkeit von diesem neuen Netz und bangten um ihre Wärmeversorgung. „Dabei wäre man auf diese Weise völlig unabhängig vom Weltmarkt und der Weltpolitik“, so Veit.

Foto: Bohnenberger & Klos

Jeder, der mitmachen wollte, hätte zwischen 5000 und 10 000 Euro in eine neue Heizungsanlage investieren müssen, rechnete Rosenau vor. Dafür seien aber die Wartungskosten gleich null und die laufenden Kosten deutlich geringer als bisher. Und viel klimafreundlicher. „Es hätte ein Vorzeigemodell fürs ganze Saarland sein können“, so Rosenau. Noch dazu hätte die Region von der Wertschöpfung profitiert; drei Millionen Euro sollten investiert werden.

„Schade, dass es nicht umgesetzt wird; es wäre richtungsweisend gewesen“, sagte der SPD-Sprecher Eckhard Heylmann während der Ratssitzung. Gleichzeitig wollte er wissen, wieviel Geld das Bebauungsplanverfahren bisher die Gemeinde gekostet habe. „Etwa 10 000 Euro“, antwortete Veit, der die Vision vom Energiedorf noch nicht so ganz aufgeben will: „Mal sehen, wie sich die Welt in ein, zwei Jahren verändert.“

Eckhard Heylmann

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Gemeinde Nohfelden

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Eckhard Heylmann

Foto: Melanie Mai